Die Reihe Römische Inquisition und Indexkongregation. Grundlagenforschung

Hubert Wolf (Hg.):

Grundlagenforschung 1814–1917

Einleitung

Einleitungsband in vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch). – Paderborn 2005

I. Römische Bücherverbote.
Edition der Bandi von Inquisition und Indexkongregation

Auf der Basis von Vorarbeiten von Herman H. Schwedt bearb. von Judith Schepers und Dominik Burkard. – Paderborn 2005

II: Systematisches Repertorium zur Buchzensur.
Indexkongregation / Inquisition

Bearb. von Sabine Schratz, Jan Dirk Busemann und Andreas Pietsch. – 2 Bde. – Paderborn 2005

III: Prosopographie von Römischer Inquisition und Indexkongregation

Herman H. Schwedt unter Mitarbeit von Tobias Lagatz.
2 Bde. – Paderborn 2005

Register

Bearb. von Dominik Höink und Christian Wiesneth. – Paderborn 2007

Grundlagenforschung 1701-1813

I. Römische Bücherverbote.
Edition der Bandi von Inquisition und Indexkongregation

Auf der Basis von
Vorarbeiten von Herman H. Schwedt bearb. von Ursula Paintner und Christian Wiesneth. - Paderborn 2009

II: Systematisches Repertorium zur Buchzensur.
Indexkongregation / Inquisition

Bearb. von Andreea B. Badea, Jan Dirk Busemann, Volker Dinkels, Bruno Boute, Cecilia Cristellon. - 2 Bde. - Paderborn 2009

III: Prosopographie von Römischer Inquisition und Indexkongregation

Herman H. Schwedt unter Mitarbeit von Jyri Hasecker, Dominik Höink und Judith Schepers
2 Bde. – Paderborn 2010

Register

Bearb. von Bruno Boute, Jyri Hasecker und Judith Schepers. - Paderborn 2011

Die Reihe Römische Inquisition und Indexkongregation (Studien)

Band 15

Sabine Schratz
Das Gift des alten Europa und die Arbeiter der neuen Welt Zum amerikanischen Hintergrund der Enzyklika Rerum novarum (1891). – Paderborn 2010

Die erste historische Analyse des amerikanischen Einflusses auf die Auseinandersetzung des Papsttums mit der sozialen Frage im 19. Jahrhundert anhand der neu zugänglichen Inquisitionsquellen. Mit der berühmten Enzyklika Rerum novarum Leos XIII. legte das Papsttum im Jahr 1891 eine originäre Antwort auf die sozialpolitischen Fragen im Zuge der Industrialisierung vor und prägte damit die katholische Soziallehre bis heute. Die Autorin analysiert mit den Fällen Knights of Labor, Henry George, Edward McGlynn und Richard Burtsell erstmals die Prozesse, die die kuriale Diskussion um Sozialismus und Arbeitervereinigungen in den 1880er Jahren maßgeblich bestimmten.

 

 

Band 14

Bernward Schmidt
Virtuelle Büchersäle Lektüre und Zensur gelehrter Zeitschriften an der römischen Kurie 1665–1765. – Paderborn 2009

Oftmals waren römische Gelehrte Liebhaber von Büchern und gleichzeitig deren Zensoren. Was merkwürdig klingt, war im 17. und 18. Jahrhundert doch Realität. Als eine der ersten in der Indexforschung nimmt die vorliegende Studie nicht einen Einzelfall, sondern einen längeren Zeitraum in den Blick: Anhand der Gattung „gelehrte Zeitschrift“ beschreibt sie das Spannungsfeld von Gelehrtenrepublik und Index und gelangt so zu neuen Erkenntnissen über die Praktiken von Gelehrsamkeit und Zensur in der Frühen Neuzeit.

 

 

Band 13

Hubert Wolf, Bernward Schmidt (Hg.)
Benedikt XIV. und die Reform des Buchzensurverfahrens Zu Geschichte und Rezeption von „Sollicita ac provida“. – Paderborn 2010

Im Zeitalter der Aufklärung sorgte der römische Index verbreitet für Empörung; die Verbotsverfahren galten als schwer durchschaubar und ungerecht. 1753 wollte Papst Benedikt XIV. das ändern. Mit der Konstitution „Sollicita ac provida“ verschriftlichte er die Regeln der Zensur. Hubert Wolf und Bernward Schmidt edieren und erläutern in diesem Band die Konstitution selbst sowie wichtige Dokumente zu ihrer Entstehung und ihrer Wirkung. „Sollicita ac provida“ hat bis zum Ende des „Index der verbotenen Bücher“ die Arbeit von Römischer Inquisition und Indexkongregation entscheidend beeinflusst. Aber brachte die Konstitution wirklich Neues oder schrieb sie nur Altbewährtes fest? Verschaffte Papst Benedikt XIV., selbst ein angesehener Historiker und Kanonist, den katholischen Gelehrten neue Freiräume? Stellte er die Zensur vielleicht sogar grundsätzlich infrage? Diese Fragen können eingehend diskutiert werden, nachdem vor gut zehn Jahren die Archive der Glaubenskongregation geöffnet worden sind. Hubert Wolf und seine Mitarbeiter erarbeiten derzeit im Rahmen eines Langzeitprojektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft die Grundlagen zur Erforschung einzelner Zensurfälle.

 

 

Band 12

Hubert Wolf / Judith Schepers (Hg.)
»In wilder zügelloser Jagd nach Neuem«.
100 Jahre Modernismus und Antimodernismus in der katholischen Kirche. – Paderborn 2009
 

Der Sammelband stellt neueste Forschungen zur »Modernismuskrise« zusammen, die vor einem Jahrhundert im Pontifikat Pius' X. (1903–1914) ihren Höhepunkt erlebte. In einem Rundumschlag hatte dieser Papst alles Moderne verurteilt, wobei allen voran die Glaubenswächter von Inquisition und Indexkongregation seinen Kurs zu vertreten hatten. Dies spiegelt sich in den zahlreichen Verboten »modernistischer« Bücher. Erst 1967 wurde ein Wandel für alle sichtbar: Der »Antimodernisteneid«, mit dem seit 1910 Kleriker den Irrtümern der Zeit abschwören und dem kirchlichen Lehramt unerschütterliche Unterordnung geloben mussten, wurde von Paul VI. abgeschafft. Die Grundlinien des Konflikts bleiben jedoch bis heute aktuell.

Nach einer Analyse der Gründe für den katholischen Antimodernismus werden Quellenlage und ausgewählte Fälle vorgestellt. Für weitere Forschungen wird das Inventar im Anhang, das sämtliche deutsche Buchzensurfälle von 1893 bis 1922 auflistet, von besonderer Bedeutung sein. Es entstand im Rahmen des von der DFG geförderten Teilprojekts zum Modernismusstreit (s. Projektbeschreibung).

Band 11

Hubert Wolf (Hg.)
Verbotene Bücher.
Zur Geschichte des Index im 18. und 19. Jahrhundert. – Paderborn 2008


Der Band geht auf das Münsteraner Symposium vom Dezember 2005 anlässlich der Veröffentlichung der Bände zur »Grundlagenforschung 1814–1917« zurück. Neben der Dokumentation des Festakts enthält der Band die Präsentationen des Forscherteams zu den einzelnen Projektsäulen, die als Ergänzung zum Einleitungsband der »Grundlagenforschung« gelesen werden können. In einem dritten Teil finden sich die Beiträge der internationalen Zensurexperten zu Quellen und Themen der römischen Buchzensur.

Zu den Autoren des Bandes zählen u.a. Jean-Baptiste Amadieu (Paris), Ugo Baldini (Padua), Francesco Beretta (Lyon), Philippe Boutry (Paris), Mariano Delgado (Freiburg, Schweiz) und Christoph Weber (Düsseldorf).

 

Band 10

Claus Arnold

Die Römische Zensur der Werke Cajetans
und Contarinis (1558
1601).
Grenzen der theologischen Konfessionalisierung.
– Paderborn 2008

Die Römische Zensur als Mittel der Gegenreformation und Katholischen Reform machte auch vor Kardinälen nicht halt: Die Werke der prominenten Theologen Thomas de Vio Cajetan († 1534) und Gasparo Contarini († 1542) sollten noch nach ihrem Tode »expurgiert« (gereinigt) und den Maßstäben des Konzils von Trient bzw. den nachtridentinischen römischen Standards angepasst werden, ohne dass dabei die Autorität der beiden Kardinäle allzu sehr beschädigt würde.

Die Anläufe dazu in den Jahren 1558 bis 1601 lassen deutlich die Grenzen dieses Versuches der theologischen Vereinheitlichung im Sinne der Konfessionalisierung erkennen. Die kritische Exegese Cajetans und seine vereinzelte Kritik an Thomas von Aquin, der »Evangelismus« Contarinis sowie die biblisch-patristische Reformtheologie des designierten Kardinals Johannes Gropper (†1559) ließen sich nur zum Teil durch Expurgation »bewältigen«. Die erstmalige Rekonstruktion ihrer »Fälle« auf der Grundlage der römischen Akten ergibt zugleich tiefere Einblicke in die allgemeine Institutionengeschichte von Index und Inquisition, speziell hinsichtlich der Rolle der Orden (insbesondere der Dominikaner) und auch prägender Einzelpersönlichkeiten (u.a. Robert Bellarmin).

Band 9

Antje Bräcker
Der politische Katholizismus im Baskenland und der Vatikan. Der Indexfall »Zabala« und sein kirchenhistorischer Kontext. – Paderborn 2008
 

Anfang 2006 verkündete die ETA einen Waffenstillstand. Grundlegende, bereits aus der Entstehungszeit des baskischen Nationalismus überlieferte ideologische Streitigkeiten sind damit allerdings nicht gelöst. Das Ringen des frühen baskischen Nationalismus um eine religiöse und politische Identität, obwohl essentiell für das Verständnis auch des heutigen Konflikts, hat in den Geschichtswissenschaften kaum Beachtung gefunden. Als Ideologe der baskisch-nationalistischen Bewegung schuf Angel Zabala eine religiös-politische Weltanschauung, die die neue Bewegung vor internen Streitigkeiten zu bewahren und von bestehenden politischen Optionen in Spanien abzugrenzen versuchte, was ihm ein Verfahren vor der römischen Indexkongregation eintrug. Quellen aus verschiedenen vatikanischen Archiven geben Einblick in die Wechselwirkungen zwischen dem religiös-politischen Tagesgeschehen zur Zeit Zabalas und der Ausbildung seiner Ideologie wie in die Netzwerke des politischen Katholizismus in Spanien zu Beginn des 20. Jahrhunderts.



 

Band 8

Norbert Köster

Der Fall Hirscher.
Ein »Spätaufklärer« im Konflikt mit Rom? – Paderborn 2007
 

Der Pastoral- und Moraltheologe Johann Baptist Hirscher (1788–1865) gehörte zu den bekanntesten und umstrittensten Theologen seiner Zeit. Seine »Kirchlichkeit« wurde immer wieder in Frage gestellt – auch in den Römischen Behörden, die sich in acht Verfahren mit dem in Tübingen und Freiburg lehrenden Theologen beschäftigten und zwei seiner Schriften indizierten. Die Untersuchung stellt die Römischen Verfahren in chronologischer Reihenfolge dar, wobei sie jeweils zunächst auf die untersuchten Schriften und ihre Entstehung eingeht. Die leitende Fragestellung ist dabei: Wie ist Hirscher in der Zeit des Übergangs von der Aufklärung zur Romantik zu verorten? Während seine Abhandlungen zur Liturgie eine Nähe zur Spätaufklärung vermuten lassen, sind seine katechetischen und moraltheologischen Werke deutlich von dem Bestreben gekennzeichnet, den Rationalismus der Aufklärung zu überwinden. Der Hirscher-Forschung ist es bislang nicht gelungen, diese Diskrepanz zu erklären. Neben den römischen Gutachten und der sie begleitenden Korrespondenz werden die zeitgenössischen Rezensionen der in Rom untersuchten Werke ausgewertet. Auf diese Weise zeigt sich, dass Hirscher zu seiner Zeit nicht als »Aufklärer« gesehen wurde, seine Liturgie-Theologie als genuine Umsetzung seiner Reich-Gottes-Theologie erklärt werden kann und dass die entschiedenen Gegner Hirschers weniger der ultramontanen Theologie, sondern vielmehr dem politischen Laien-Katholizismus Badens zuzuordnen sind.



 

Band 7

Tobias Lagatz / Sabine Schratz (Hg.)
Censor censorum.
Gesammelte Aufsätze von Hermann H. Schwedt.
Festschrift zum 70. Geburtstag. – Paderborn 2006
 

Herman H. Schwedt ist einer der international renommiertesten Experten für die vatikanischen Institutionen und Archive, besonders für das Archiv der Römischen Inquisition und Indexkongregation. Seine umfassenden Forschungen, die lange vor der allgemeinen Öffnung des Archivs (1998) begonnen wurden, eröffnen grundlegende Zugänge für die Erforschung dieser von außen oft undurchsichtigen römischen Behörden. Die Ergebnisse des Jubilars, die sich in zahlreichen, weit verstreuten Aufsätzen niederschlagen, werden in der vorliegenden Festschrift gebündelt zugänglich gemacht. Sie informieren zum einen über den Aufbau, die Arbeitsweise und Funktionen der genannten römischen Kongregationen. Darüber hinaus liefern sie anhand der Darstellung einzelner Fälle einen tieferen Einblick in die konfliktreiche Auseinandersetzung der katholischen Kirche mit den Zeitströmungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.



 

Band 6

Kim Siebenhüner
Bigamie und Inquisition in Italien 1600
1750. – Paderborn 2006
 

Warum wurden Männer und Frauen im frühneuzeitlichen Italien zu Bigamisten, und warum wurden sie als Ketzereiverdächtige von der Inquisition verfolgt? Wer eine bigame Ehe einging, weckte bei Inquisitoren den Verdacht, einem Glaubensirrtum anzuhängen. Doch Bigamisten schlossen die zweite Ehe in der Regel nicht, weil sie das Sakrament der Ehe anzweifelten, sondern aufgrund vielfältiger sozialer, emotionaler und materieller Umstände. Als eine der ersten Historikerinnen hat die Autorin nach der Öffnung des römischen Inquisitionsarchivs die umfangreichen dort überlieferten Bigamieakten ausgewertet. Anhand dieser Quellen präsentiert sie hier neue Erkenntnisse zur Rechtspraxis des Sant' Ufficio, zur Geschichte der Ehe, der Migration und der Identität. Zahlreiche Fallstudien werfen neues Licht auf die Arbeit des Glaubenstribunals im 17. und 18. Jahrhundert und auf die vergangenen Lebenswelten einer Gesellschaft, in der Bigamie ein Weg war, mit familiären Krisen, biographischen Brüchen, Mobilität und aufeinanderfolgenden Beziehungen umzugehen.

Band 5

Dominik Burkard
Häresie und Mythus des 20. Jahrhunderts.
Rosenbergs nationalsozialistische Weltanschauung vor dem Tribunal der Römischen Inquisition. – Paderborn 2005
 

Hitler nannte Alfred Rosenberg den »Kirchenvater des Nationalsozialismus«. Sein Hauptwerk, »Mythus des 20. Jahrhunderts«, war im Dritten Reich Pflichtlektüre bei jeder politischen Unterweisung. Schon 1934 hat die römische Kurie die wichtigste nationalsozialistische Programmschrift auf den »Index der verbotenen Bücher« setzen lassen. Kürzlich zugänglich gewordene Quellen lassen die Umstände der Indizierung in neuem Licht erscheinen und geben Antwort auf bislang ungelöste Fragen zum Verhältnis von Vatikan und Nationalsozialismus. Wenn sich die Kirche zur Zeit des Dritten Reiches tatsächlich nur in Schweigen hüllte, wie ist dann diese frühe Indizierung zu erklären? Der Vatikan hat sich bewusst nicht gescheut, durch den symbolischen Akt der Indizierung Stellung gegenüber der nationalsozialistischen Idee zu beziehen. Sie blieb nicht ohne Folgen: Die Partei setzte ihre ganze Propagandamaschinerie zur Diffamierung der Kirche in Gang. Die deutschen Katholiken sahen sich in einen Gewissenskonflikt gestürzt.

Das Buch untersucht, wer an der Römischen Kurie die Indizierung des »Mythus« betrieb, aus welchen Gründen sie durchgesetzt wurde und – schließlich –, wie Eugenio Pacelli, Nuntius in Deutschland und später als Pius XII. Papst, sich dazu stellte.

Band 4

Elke Pahud De Mortanges
Philosophie und kirchliche Autorität.
Der Fall des Münchner Philosophieprofessors Jakob Frohschammer vor der Römischen Indexkongregation (1855
1864). – Paderborn 2005
 

Zwanzig Jahre lang lag Jakob Frohschammer (1821–1893), katholischer Priester und Philosophieprofessor in München, mit der Römischen Indexkongregation im Konflikt. Fünf Verfahren wurden während dieser Zeit gegen seine Schriften angestrengt. Am Ende stand das Werk Frohschammers auf dem »Index der verbotenen Bücher«. Vorliegende Studie tritt an, erstmals den »Fall Frohschammer« anhand der Prozessakten (Gutachten, Expertisen, Sitzungsprotokolle, Briefwechsel) aus dem 1998 geöffneten Archiv der römischen Indexkongregation historisch zu rekonstruieren und dogmatisch zu analysieren. Sie konzentriert sich auf den Zeitraum zwischen 1855 und 1864, in den die beiden ersten und zugleich bedeutendsten Verfahren fallen. In diesen spielte der Jesuit Joseph Kleutgen eine ebenso prominente wie maßgebliche Rolle als Gutachter, weshalb dieses Buch auch als Beitrag zur Kleutgen-Forschung gelesen werden muss.

Band 3

Hubert Wolf, Dominik Burkard, Ulrich Muhlack
Rankes »Päpste« auf dem Index.
Dogma und Historie im Widerstreit. – Paderborn 2002

Leopold von Rankes »Die römischen Päpste, ihre Kirche und ihr Staat im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert« ist das berühmteste Werk des preußischen Historikers. Zwischen 1834 und 1836 erstmals veröffentlicht, erreichte es in zahllosen Auflagen und Übersetzungen in verschiedene Sprachen ein breites Publikum und wurde zum Standardwerk. Doch nicht von allen erhielt es ungeteilte Zustimmung. Gregor XVI. ließ die Papstgeschichte des Protestanten auf den »Index der verbotenen Bücher« setzen; fortan durfte sie von Katholiken nicht mehr gelesen werden.

Hubert Wolf und Dominik Burkard rekonstruieren den Hergang und die Hintergründe der Indizierung Rankes. Sie zeigen, wie das Werk 1839 zunächst dem ausdrücklichen päpstlichen Verbot entging, weil sich »liberale« Kräfte innerhalb der römischen Indexkongregation für Ranke einsetzten, um drei Jahre später schließlich doch noch auf dem Index zu landen. Die streng historische Betrachtung des Papsttums war mit dem durch den Heiligen Stuhl selbst propagierten »entzeitlichten« Bild von Kirche nicht vereinbar. In einem eigenen Beitrag geht Ulrich Muhlack der wissenschaftsgeschichtlichen Bedeutung des Falls nach. Zwar stand die Indizierung der »Päpste« zunächst für die katholische Abkehr von der »deutschen geschichtlichen Wissenschaft«, doch wird zugleich deutlich, daß die Gegner Rankes an der Symbolfigur moderner Geschichtswissenschaft und den Idealen, für die sie stand, nicht achtlos vorüber gehen konnten.

Eine Edition der bisher unveröffentlichten römischen Geheimgutachten über Rankes »Päpste« schließt den
Band ab.

Band 2

Hubert Wolf
Johann Michael Sailer.
Das postume Inquisitionsverfahren. – Paderborn 2002

Im Jahr 1832 stirbt in Regensburg ein über die Grenzen seines Bistums hinaus fast wie ein Heiliger verehrter Bischof: Johann Michael Sailer. Der Verfasser zahlreicher Erbauungsschriften, deren verinnerlichte Religiosität Katholiken wie Protestanten gleichermaßen berührte, gilt als Vorbild eines aufrechten Katholiken in der düsteren Zeit von Revolutionswirren und Säkularisation. Vierzig Jahre später (1873) werden die Werke desselben Mannes bei der Römischen Inquisition angeklagt, weil Sailer ein Häretiker gewesen sei, der die katholische Theologie durch aufklärerische und protestantische Ideen »zersetzt« habe. Wie aus dem vielgeliebten Bischof ein verachtenswerter Ketzer werden sollte, und wie Vernunft und Mäßigung schließlich über Intrigen und Fanatismus siegten, legt dieses Buch anhand der einschlägigen Quellen aus dem Archiv der Kongregation für die Glaubenslehre dar.

Band 1

Hubert Wolf (Hg.)
Inquisition, Index, Zensur.
Wissenskulturen der Neuzeit im Widerstreit. – Paderborn 2001 (2. erw. Aufl. 2003)

Der Band dokumentiert das Frankfurter DFG-Symposium vom Mai 2000, bei dem zum ersten Mal im deutschen Sprachraum ein repräsentativer Ausschnitt aus den internationalen Forschungen im gerade erst der Wissenschaft allgemein zugänglich gemachten Archiv der Kongregation für die Glaubenslehre geboten wurde.

Enthalten sind u.a. Beiträge zum Galilei-Prozess (Francesco Beretta), zur Haltung der katholischen Kirche zu den Naturwissenschaften allgemein (Ugo Baldini), zum Aufsehen erregenden Carnesecchie-Prozess (Massimo Firpo) und zur mäßigen Rolle der römischen Inquisition bei der Hexenverfolgung (Rainer Decker). Hinzu kommen Grundsatzreferate zur Quellenlage (Alejandro Cifres, John Tedeschi) und zur Prosopographie der Mitarbeiter von Inquisition und Index (Hermann H. Schwedt). Dem »interkulturellen Management« durch die Inquisition bei der Fernhandelskontrolle in der Frühen Neuzeit geht Peter Schmidt nach. Am Beispiel der Bücherzensur kann erstmals ein Bild der internen Diskussion in der römischen Indexkongregation entworfen werden (Maria Antonietta Passarelli, Claus Arnold). Schließlich gerät auch die Rezeption der römischen Bücherverbote in Deutschland in den Blick (Dominik Burkard).



Außerhalb der Reihe sind erschienen:

Hubert Wolf
Index.
Der Vatikan und die verbotenen Bücher. – München 2006


Das Buch bietet einen allgemein verständlichen Überblick über Entstehung, Geschichte und Arbeitsweise der Indexkongregation und beschreibt, wie Bücher in ihr Visier gerieten, wer die Zensoren waren, die die »gefährlichen« Bücher lasen, und welche Folgen eine Verurteilung hatte. Nicht zuletzt stellt es prominente Verbotsverfahren des 19. Jahrhunderts vor, etwa gegen den »Knigge«, »Onkel Toms Hütte«, Leopold von Rankes Papstgeschichte und die Werke von Heinrich Heine und Karl May.

Hubert Wolf / Wolfgang Schopf / Dominik Burkard /
Gisbert Lepper

Die Macht der Zensur. Heinrich Heine auf dem Index,
Düsseldorf 1998.


Heinrich Heine (1797–1856) stand bis 1967 mit einigen Texten auf dem Index verbotener Schriften der katholischen Kirche. Dies fanden der Kirchenhistoriker Hubert Wolf und der Germanist Wolfgang Schopf nach sorgfältigen Recherchen heraus. Die seit 1836 gültige Index-Eintragung Heines mit Schriften wie den "Reisebildern“ oder "Französische Zustände“ ist erst mit dem Auslaufen des katholischen Verzeichnisses beendet worden. Beim Studium der Akten stellt sich eine enge Verbindung zwischen dem politischen Verbot Heines durch Metternich und seiner Aufnahme auf den vatikanischen Index heraus. Mit diesem Index sollte aus Angst vor einer Wiederholung der Französischen Revolution von 1789 und „Pariser Verhältnissen“ ein Träger des revolutionären Ungeistes mundtot gemacht werden.